Inhalt


"Ö-Lieder" - Eine Arbeitshilfe zur Gestaltung von ökumenischen Gottesdiensten


Diese Arbeitshilfe soll eine praktische Unterstützung zur Vorbereitung und Gestaltung ökumenischer Gottesdienste sein. Über einige Jahrhunderte hinweg wurde in beiden Kirchen „parallel“ gesungen – es haben sich verschiedene Traditionen entwickelt, und in Text und Melodie sind teilweise unterschiedliche Fassungen entstanden.

 

Seit einigen Jahrzehnten gibt es ökumenische Bemühungen um gemeinsame Fassungen für alle christlichen Kirchen im dt. Sprachraum, diese Lieder wurden in den Gesangbüchern durch das „ö“ gekennzeichnet: In der Kath. Kirche seit dem „alten“ Gotteslob (1975), und in den Evang. Kirchen seit dem „EG“ (1995) - im Evang. Vorgängergesangbuch „EKG“ gab es noch keine „Ö-Lieder“.

 

Das „ö“ im Evang. Gesangbuch bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass dieses Lied auch im Gotteslob enthalten ist – und wenn, dass dann der Text und vielleicht auch noch die Melodie übereinstimmen – das gilt umgekehrt natürlich genauso. Durch die Herausgabe des Neuen Gotteslobs hat sich da noch einmal einiges verändert.

 

Diese Erkenntnis und der Wunsch der Gemeinden in Karlsruhe-Oststadt zu einem Ökumenischen Terrassengespräch über dieses Thema haben mich dazu veranlasst, einmal beide Gesangbücher unter diesen Kriterien genauer durchzusehen.
In der „Ö-Lieder-Liste“ habe ich zunächst einmal alle Lieder mit „ö“ aufgelistet, die entweder im GL oder im EG mit einem „ö“ (mit oder ohne Klammern) gekennzeichnet sind. Die Übereinstimmungen bzw. Unterschiede wurden in der Spalte „Anmerkungen / Besonderheiten“ notiert. Dabei ging es mir um keine „wissenschaftliche“ Darlegung, sondern lediglich um eine nützliche und praktische Handhabung. Mein Ziel war, dass bei der Gottesdienstvorbereitung auf einen Blick erkannt werden kann, ob dieses Lied gemeinsam in den Evang. und Kath. Gemeinden gesungen werden kann oder nicht – ob es Probleme geben kann, und wenn ja, welche, und ob es dafür Lösungen gibt. Die „grün“ markierten Lieder können ohne Probleme von Gemeinden beider Konfessionen gesungen werden. Evtl. ist bei einem Lied einmal eine Strophe mehr oder weniger, das ist dann angemerkt - und muss dann in der Strophenauswahl berücksichtigt werden. Ansonsten gibt es da keine Probleme.

 

Unterschiedliche Tonarten habe ich nur „relativ“ angemerkt, um die Kirchenmusiker darauf hinzuweisen, dass es v. a. beim Zusammenspiel unterschiedlicher Gruppen problematisch werden könnte – wenn z. Bsp. der Evang. Posaunenchor in einer anderen Tonart spielt als der kath. Organist.
Grundsätzlich sind alle Taizé-Lieder im Evang. wie auch im Kath. Bereich sehr bekannt und gut singbar, auch wenn sie evtl. gar nicht im EG oder im GL stehen. Auch viele „populäre / volkstümliche“ Lieder sind gemeinsam möglich, wie z. Bsp. „Maria durch ein Dornwald ging“ (steht nur im GL), oder „Kommet ihr Hirten“ (steht nur im EG). Es gibt auch Lieder, die nur im EG oder nur im GL stehen, aber als „NGL“ trotzdem vielen bekannt sind wie „Ins Wasser fällt ein Stein“ (nicht im GL), oder „Meine engen Grenzen“ (nicht im EG), und so durchaus gemeinsam gesungen werden können. Manchmal ist auch die Melodie bekannt, aber der Text völlig unterschiedlich – auch das ist natürlich machbar, dann muss man sich aber auf eine Fassung bzw. ein Gesangbuch einigen oder Liedblätter erstellen (wie z. Bsp. beim sehr bekannten „Halleluja-Lied“ (GL 483 / EG 182).
Wirklich schwierig wird es, wenn das gleiche Lied mit kleinen Abweichungen gesungen wird. Bei „Ihr Kinderlein kommet“ ist z. Bsp. der vorletzte Takt in der Melodie unterschiedlich. Hier sind in vielen „Weihnachtsliederbüchern“ beide Varianten angegeben, sodass das evtl. noch gehen mag. Aber ein Choral wie „Ich will dich lieben, meine Stärke“ (GL 358 / EG 400) oder „Der du die Zeit in Händen hast“ (GL 257 / EG 64) mit gleichem Text und völlig unterschiedlichen Melodien wird vor allem die älteren/erfahrenen Gottesdienstbesucher irritieren, er/sie wird bei diesem Lied wohl nicht mit einstimmen. Bei dem sehr bekannten „Christ ist erstanden“ (GL 318 / EG 99) stolpert man zunächst im 2. Teil über einen unterschiedlichen Text, und dann beim Halleluja auch über unterschiedliche Melodiewendungen. Lieder mit derartigen Unterschieden habe ich „rot“ markiert“ - dies würde ich dann für einen gemeinsamen Gottesdienst weniger empfehlen, als ein Lied, das der Evang. oder der kath. Gemeinde vielleicht noch gar nicht bekannt ist, und dann vielleicht neu gelernt werden kann.

 

Insgesamt habe ich festgestellt, dass wir noch nie so viele gemeinsame Lieder hatten, auch wenn beim näheren Hinsehen doch das ein- oder andere bedacht werden muss. Die Liste könnte noch um einige Lieder erweitert werden, wenn man die NGL-Lieder hinzu nehmen würde, die weder im GL noch im EG abgedruckt sind, aber dennoch in beiden Kirchen viel gesungen werden. Gerne nehme ich hier Anregungen und Ergänzungen an.

 


Möge diese Zusammenstellung ein kleiner Beitrag dazu sein, dass unsere Gemeinden auch durch gemeinsame ökumenische Gottesdienste in einer lebendigen christlichen Gemeinschaft weiter zusammenwachsen.

Mit herzlichem Dank an meine Freunde aus den Kath. Gemeinden, die alle meine Fragen geduldig beantwortet haben!

 Dorothea Lehmann-Horsch, im September 2014

Hinweise zu den Abkürzungen:

Ö = Ökumenisch
EG = Evang. Gesangbuch für die Evang. Landeskirche in Baden (1995), gemeinsamer Regionalteil Baden / Elsass und Lothringen / Pfalz
GL = Gotteslob, Kath. Gebet- und Gesangbuch für die Erzdiözese Freiburg (2013), gemeinsamen Eigenteil mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
NGL = Neues Geistliches Lied; Neueres Evang. Liederbuch Baden-Württemberg, Elsaß, Pfalz (2006): „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder“. Und: „Neueres“ Kath. Liederbuch (1992): „Kommt und singt“

Aktuelle Termine:

30. September 2017
EVENSONG – ein ökumenisches Abendlob

01. Oktober 2017
Kantatengottesdienst BWV 126

14. Oktober 2017
Maaartin! – Vom kleinen Martin zum großen Luther

28. Oktober 2017
„…davon ich singen und sagen will“ – ein Chorkonzert der Lutherana zum Reformationsjubiläum …

25. November 2017
EVENSONG – ein ökumenisches Abendlob